Erklärung
Brauche ich einen AVV für KI-Agenten?
In der Regel ja. Verarbeiten Ihre KI-Agenten personenbezogene Daten auf der Infrastruktur eines Anbieters oder senden sie an dessen Modell, ist dieser Anbieter meist Ihr Auftragsverarbeiter, und Art. 28 DSGVO verlangt einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit ihm. Mit Sanbox schließen Sie einen AVV mit der Sanlabs GmbH für die Computer und einen eigenen AVV mit Ihrem Modellanbieter, weil der Agent das Modell mit Ihrem eigenen Schlüssel aufruft.
Diese Seite ist keine Rechtsberatung: Wie die Regeln für Ihre Verarbeitung gelten, entscheiden Ihre Datenschutzbeauftragten oder Ihre Rechtsberatung.
Wann gilt Art. 28 DSGVO für KI-Agenten?
Art. 28 DSGVO greift, wenn ein Dienstleister personenbezogene Daten in Ihrem Auftrag und nach Ihrer Weisung verarbeitet. KI-Agenten (AI Agents) kommen öfter mit solchen Daten in Berührung, als man denkt: Namen und E-Mail-Adressen in der Commit-Historie eines Repositorys, Kundentickets, CRM-Exporte, Postfächer, angemeldete Browser-Sitzungen. Verarbeitet ein Agent gar keine personenbezogenen Daten, gilt Art. 28 nicht; mit Datei- und Internetzugriff lässt sich das aber selten sicher ausschließen.
Ist ein KI-Dienst ein Auftragsverarbeiter?
Meistens. Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA) schreibt zu KI, die als Cloud-Dienst bereitgestellt wird: „Dies wird im Regelfall im Rahmen der Auftragsverarbeitung erfolgen.“ Entscheidend ist laut BayLDA, ob der Anbieter tatsächlich weisungsgebunden handelt oder die Daten auch zu eigenen Zwecken verarbeitet. Die Datenschutzkonferenz (DSK) sieht es in ihrer Orientierungshilfe zu KI vom Mai 2024 ähnlich: Ein externer Anbieter einer KI-Anwendung als Cloud-Lösung handelt im Auftrag des Verantwortlichen, häufig als Auftragsverarbeiter nach Art. 28 DSGVO.
Die Rollen verschieben sich in zwei Fällen:
- Der Anbieter nutzt Ein- oder Ausgaben für eigene Zwecke, etwa zum Training. Nach Auffassung der DSK braucht es dafür eine eigene Rechtsgrundlage, und die betroffenen Personen sind zu informieren. Die DSK hält Anwendungen für vorzugswürdig, die Ein- und Ausgaben nicht zum Training verwenden.
- Zwei Stellen entscheiden gemeinsam über Zwecke und Mittel. Dann kann eine gemeinsame Verantwortlichkeit nach Art. 26 DSGVO vorliegen, die eine eigene Vereinbarung braucht.
Verkaufen Sie selbst ein Agenten-Produkt an Ihre Kunden, sind Sie oft deren Auftragsverarbeiter, und Ihre Anbieter werden zu Unterauftragsverarbeitern.
Was muss ein AVV enthalten?
Art. 28 DSGVO verlangt einen schriftlichen Vertrag (elektronisch genügt) mit Gegenstand, Dauer, Art und Zweck der Verarbeitung, der Art der personenbezogenen Daten und den Kategorien betroffener Personen. Er verpflichtet den Auftragsverarbeiter,
- Daten nur auf Ihre dokumentierte Weisung zu verarbeiten, auch bei Übermittlungen in Drittländer;
- seine Beschäftigten zur Vertraulichkeit zu verpflichten und die Daten nach Art. 32 DSGVO zu sichern;
- Unterauftragsverarbeiter nur mit Ihrer vorherigen gesonderten oder allgemeinen schriftlichen Genehmigung einzusetzen, Sie über Änderungen zu informieren, damit Sie Einspruch erheben können, und dieselben Pflichten weiterzugeben; er haftet Ihnen für seine Unterauftragsverarbeiter;
- Sie bei Betroffenenrechten und bei Ihren Pflichten nach Art. 32 bis 36 DSGVO zu unterstützen;
- die Daten nach Ende der Leistung zu löschen oder zurückzugeben;
- Ihnen die nötigen Nachweise zur Verfügung zu stellen und Überprüfungen zu ermöglichen.
Bestimmt ein Auftragsverarbeiter selbst Zwecke und Mittel, gilt er für diese Verarbeitung als Verantwortlicher (Art. 28 Abs. 10 DSGVO).
Mit welchen Anbietern brauchen Sie einen AVV?
Die AVV-Kette folgt den Daten:
| Ebene | Beispiele | Übliche Rolle | Was Sie anfordern |
|---|---|---|---|
| Agenten-Infrastruktur | Computer, Dateien, Ausführungsdaten, Protokolle | Auftragsverarbeiter | AVV, Liste der Unterauftragsverarbeiter, TOMs |
| Modellanbieter | Anthropic, OpenAI, Mistral | Auftragsverarbeiter laut AVV für Geschäftskunden | AVV, Unterauftragsverarbeiter, Region, Regeln zu Training und Aufbewahrung |
| Tools, die der Agent aufruft | CRM, Ticketsystem, Such-APIs | Je nach Dienst | AVV, wenn der Dienst Daten in Ihrem Auftrag verarbeitet |
| Unterauftragsverarbeiter | Hosting und Dienste hinter jedem Anbieter | Über den AVV des Anbieters geregelt | Liste mit Standorten |
Die großen Modellanbieter haben ihren AVV in ihre Geschäftsbedingungen eingebaut. Der AVV von Anthropic ist Teil der Verträge, die auf ihn verweisen, etwa der Commercial Terms. Der AVV von OpenAI ist Teil des Services Agreement; Kunden aus dem EWR und der Schweiz schließen ihn mit der OpenAI Ireland Ltd. Der AVV von Mistral ist per Verweis Vertragsbestandteil. Lesen Sie die Rollenklauseln: Manche Anbieter sind für bestimmte Zwecke selbst Verantwortlicher, etwa für das Training von Modellen bei manchen Tarifen. Prüfen Sie, welche Zwecke für Ihren Vertrag gelten.
Was sollten Sie jeden Anbieter fragen?
- Den AVV und das Recht, dem er unterliegt.
- Die Liste der Unterauftragsverarbeiter mit Standorten und wie Änderungen angekündigt werden.
- Die technischen und organisatorischen Maßnahmen (TOMs) nach Art. 32 DSGVO. Für KI-Systeme hat die DSK im Juni 2025 eine eigene Orientierungshilfe zu TOMs veröffentlicht.
- Bei Modellanbietern: ob Ein- und Ausgaben zum Training genutzt werden, wie lange sie gespeichert werden und wo die Inferenz läuft.
- Die Grundlage für Übermittlungen in Drittländer nach Kapitel V DSGVO. Das BayLDA weist darauf hin, dass Übermittlungen in die USA meist auf dem EU-U.S. Data Privacy Framework beruhen.
Wozu verpflichtet sich die Sanlabs GmbH im AVV?
Sanbox unterstützt den DSGVO-konformen Einsatz: AVV nach Art. 28 DSGVO, Verarbeitung in EU-Rechenzentren, Liste der Unterauftragsverarbeiter auf Anfrage. Im Einzelnen:
- Vertrag. Die Sanlabs GmbH, eine Gesellschaft deutschen Rechts, ist Ihr Auftragsverarbeiter. Der AVV unterliegt deutschem Recht, und die Sanlabs GmbH verarbeitet Ihre Daten nur auf Ihre dokumentierte Weisung.
- Standort. Computer, Festplatten, Snapshots, Dateien, Ausführungsdaten, Konten, Protokolle und Monitoring werden in EU-Rechenzentren gespeichert und verarbeitet.
- Unterauftragsverarbeiter. Die Sanlabs GmbH führt sie in einer Liste auf. Bevor einer hinzukommt oder ersetzt wird, informiert die Sanlabs GmbH Sie mindestens 14 Tage im Voraus per E-Mail, und Sie können widersprechen. Einige haben Muttergesellschaften außerhalb der EU; Übermittlungen außerhalb der EU erfolgen nur über die gelisteten Unterauftragsverarbeiter, mit Garantien nach Kapitel V DSGVO wie den Standardvertragsklauseln.
- Datenschutzverletzungen. Meldung innerhalb von höchstens 48 Stunden, angestrebt sind 24 Stunden.
- Löschung. Der AVV regelt, innerhalb welcher Fristen Daten nach Ihrer Weisung aus Live-Systemen, Backups und Protokollen gelöscht werden.
- Unterstützung. Im üblichen Rahmen kostenlos bei Betroffenenanfragen, Sicherheit, Meldungen von Datenschutzverletzungen und Datenschutz-Folgenabschätzungen.
- Unterlagen. AVV, Liste der Unterauftragsverarbeiter und TOMs erhalten Sie auf Anfrage über support@sanlabs.ai, den AVV und die Liste auch schon vor der Anmeldung.
Die Modellaufrufe laufen unter Ihrem eigenen Vertrag mit Ihrem Modellanbieter; diesen AVV schließen Sie selbst. Welche EU-Optionen es gibt, steht unter Wohin gehen die Modellaufrufe meines KI-Agenten?. Mehr zu Anbieterwechsel und Export steht auf der Data-Act-Seite, mehr zu EU-Recht im Blogbeitrag zu EU und DSGVO (beide auf Englisch).
Wann Sanbox nicht die richtige Wahl ist
- Ein Anbieter soll Ihre Pflichten als Verantwortlicher übernehmen. Welche personenbezogenen Daten Ihre Agenten verarbeiten, die Rechtsgrundlage, welche Websites und Dienste sie erreichen dürfen, welches Modell sie aufrufen und ob Sie eine Datenschutz-Folgenabschätzung brauchen, bleibt bei Ihnen.
- Modell und Infrastruktur sollen aus einem Vertrag kommen. Sanbox verkauft und hostet keine Modelle; Sie brauchen einen zweiten AVV mit Ihrem Modellanbieter.
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Quellen
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 26, 28 und 32 (geprüft am 06.11.2026)
- BayLDA: KI und Datenschutz, Abschnitt „AI-as-a-Service – KI als Softwarebereitstellung“ (geprüft am 06.11.2026)
- DSK: Orientierungshilfe Künstliche Intelligenz und Datenschutz vom 6. Mai 2024, Abschnitte 1.9 und 2.1 (geprüft am 06.11.2026)
- DSK: Orientierungshilfe zu empfohlenen technischen und organisatorischen Maßnahmen bei der Entwicklung und beim Betrieb von KI-Systemen, Stand Juni 2025 (geprüft am 06.11.2026)
- Anthropic: Data Processing Addendum (geprüft am 06.11.2026)
- OpenAI: Data Processing Addendum, v.010126 (geprüft am 06.11.2026)
- Mistral AI: Data Processing Addendum (geprüft am 06.11.2026)